Historie

Es begann alles mit einem Ehepaar namens Minni und Willy Diezel, die Ende der Zwanziger Jahre aus beruflichen Gründen nach Nürnberg kamen.

In einer Zeit wirtschaftlicher Not begann er im Bolta-Werk, in dem er selbst führend tätig war, mit einer sozialen Arbeit. Das Elend der damaligen Zeit bedrückte ihn. Es gab kein soziales Netz, wie wir es heute kennen. Man lud arbeitslose und bedürftige Menschen zu einer Notspeisung ein. Die Teilnehmer waren zumeist schon seit langer Zeit von ihren Kirchen gelöst und gehörten verschiedenen politischen Parteien an. In der Begegnung mit diesen Menschen spürte Willy Diezel, dass hier nicht nur leibliche, sondern auch geistliche Hilfe nötig war. So lud er alle Teilnehmer der Notspeisung zu einem Vortragsabend in sein Wohnhaus ein, allerdings mit dem Hinweis, dass die Sozialhilfe völlig unabhängig von der Teilnahme an dieser Versammlung sei. Man hatte mit etwa 30-40 Teilnehmern gerechnet, es kamen aber 120!

An diesem Abend hielt der damalige Präses des Bundes Freier evang. Gemeinden in Deutschland, Peter Bolten aus Krefeld, eine Ansprache. Er erzählte die frohe Nachricht, dass Jesus gekommen sei, um Menschen zu rufen, die ihre Anbindung an Gott verloren hätten und dass es für sie die Chance zu einem Neuanfang gebe, vor allem aber Vergebung von Schuld und Versagen. Das Echo war erstaunlich.

Etliche fanden zum lebendigen Glauben an Jesus Christus und der Wunsch nach weiteren Vorträgen war groß. So entstand ab 1930 eine Hausgemeinde, die sich 1934 dem Bund Freier evang. Gemeinden anschloss. Die Gemeinde hatte damals 27 Mitglieder.

Der Gemeindeaufbau war im 3. Reich nicht einfach. Eines Abends während einer Bibelstunde erschienen drei Männer der Gestapo und wünschten einen schriftlichen Genehmigungsbescheid für diese Versammlungen. Auf die Erklärung, dass die Arbeit schon vor Beginn des Dritten Reiches begonnen worden sei und man nicht gern die Bibelstunde unterbrechen möchte, verlangte man, dass Willy Diezel und ein zweiter, verantwortlicher Mitarbeiter am nächsten Morgen in den Amtsräumen der Gestapo erscheinen sollten. Der Gestapo lag besonders daran, zu erfahren, wie Kaufleute, die keine theologische Ausbildung besaßen, dazu kamen, in ihrem Haus Bibelstunden zu halten. Willy Diezel war es möglich, den Männern der Gestapo ein klares und lebendiges Zeugnis vom Glauben an Jesus Christus zu sagen. Es mutet heute noch wie ein Wunder an, dass die Genehmigung zur Fortsetzung dieser Versammlungen gegeben wurde.

Ein großer Glaubensschritt dieser kleinen Hausgemeinde war im Jahr 1939 die Berufung von Pastor Hermann Schürenberg zum ersten Pastor der Gemeinde. Durch den Ausbruch des Krieges konnte er den Dienst allerdings erst 1945 antreten. Aufgrund der Zerstörungen und Wirren des Krieges war der Kreis der Hausgemeinde sehr klein geworden. Etliche Brüder waren gefallen, viele Familien ausgebombt und verzogen. Als Hermann Schürenberg seinen Dienst begann, waren noch 32 Mitglieder da. Aber an Arbeit fehlte es nicht. Auf verschiedene Weise wurde nun in der Hausgemeinde das Wort Gottes verkündigt und der Besuch nahm so stark zu, dass man nach anderen Räumen suchen musste. Im Jahr 1946 gab es eine erste Evangelisationswoche mit Pastor Rudolf Ahrens aus Lüdenscheid, die im Speisesaal des Bolta-Werkes durchgeführt wurde. Viele kamen zum Glauben, die Raumfrage wurde immer dringlicher. Im Herbst 1948 ging der Wunsch in Erfüllung. Die Gemeinde trat aus dem Stadium der Hausgemeinde heraus in größere Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Im Bürohaus der Firma Gustav Grobe, Sulzbacher Str. 42, neben dem Melanchthongymnasium fand die Gemeinde eine neue Heimat in gemieteten Räumen. Gott schenkte den Durchbruch in die Öffentlichkeit und das Gemeindewachstum ging stürmisch weiter.

Ein schwerer Verlust für die Gemeinde war der plötzliche Heimgang von Willy Diezel im Mai 1951. Aber der Herr der Gemeinde hatte ihr wertvolle junge Mitarbeiter geschenkt, die sich nun in den Aufgaben bewährten, in die sie gestellt wurden. Ein lange gehegter Wunsch ging in Erfüllung, als die Gemeinde im Jahr 1952 ein eigenes Grundstück erhielt, auf dem ein Wohn- und Gemeindehaus entstehen konnte mit den nötigen Nebenräumen für Jugend- und Kinderarbeit. Dieses Bauprojekt war für die kleine Gemeinde, die sich finanziell ohne Zuschüsse aus Staatskassen nur durch freiwillige Gaben von Gliedern und Freunden finanziell erhält, ein Wagnis. Viele haben gebetet und geopfert und praktisch mitgeholfen. Sie erlebten Wunder und Gebetserhörungen, die eine große Glaubensstärkung waren.

Der Herr der Gemeinde schenkte ein langsames, aber stetiges Wachsen durch die Jahre hindurch bis heute. In Evangelisationen wurden Menschen erweckt und kamen zum Glauben. Ist jede Bekehrung schon ein Wunder der Gnade Gottes, so ist das Wunder noch größer, wenn einer auf dem neuen Weg bewahrt wird und heranreift zur lebendigen Mitarbeit in der Gemeinde des Herrn Jesus. Hier ist der Boden, auf dem Menschen heranwachsen zu ihrer göttlichen Bestimmung.

Höhepunkte des Gemeindelebens war die Mitarbeit bei den großen Versammlungen mit Billy Graham in Nürnberg, die zusammen mit der Evang. Allianz in Nürnberg durchgeführt wurden, und die Veranstaltungen von Pro Christ mit Ulrich Parzany.

Im Lauf der Jahre wurde der Blick der Gemeinde auch nach außen gelenkt. Es entstanden Tochtergemeinden in Erlangen, Neumarkt, Würzburg, Fürth, Ingolstadt, München und Lauf.

Rudolf Diezel